Interview mit The Space Woman

Ich freue mich sehr heute die erste Bloggerin, Professional Organizer und Aufräumcoach im Rahmen eines kleinen Interviews auf allminimal.de vorstellen zu dürfen. Susanne Gaspar hat sich darauf spezialisiert andere Menschen dabei zu unterstützen Raum zu schaffen und damit ihrer individuellen Umgebung einen neuen Sinn und Zweck zu geben. Susanne ist „The Space Woman“.

Wer bist du und wo kommst du her?

Mein Name ist Susanne Gaspar, und ich bin die Frau hinter The Space Woman (thespacewoman.org).

Zu organisieren, zu strukturieren, aufzuräumen und reibungslose Abläufe herzustellen, das alles habe ich schon immer geliebt. Ich habe als Event Manager in einer großen 5-Sterne-Hotelkette in meiner Heimatstadt Berlin und in Katar gearbeitet. Danach habe ich mich für ein etwas geregelteres Leben entschieden. Also wurde ich einer der Frauen, die sicherstellen, dass der Chef zur richtigen Zeit mit den
richten Unterlagen und den richtigen Leuten am richtigen Ort ist. Ihr könnt Euch bestimmt vorstellen, dass ich diesen Job geliebt habe – so viel zu organisieren! Nachdem ich als persönliche Assistentin für verschiedene Chefs gearbeitet hatte, zogen mein Mann, ich und unser damals sechs Monate alter Sohn nach Amsterdam um. Dann, mit dem neuen Baby daheim, wusste ich nicht so recht, was ich nun arbeiten sollte. In der Zwischenzeit hatte ich eine Menge über Organisieren, Minimalismus, Vereinfachen und einfaches Leben gelesen. Und je mehr ich las, um so begeisterter war ich davon. Als ich danach herausfand, dass es in den Niederlanden tatsächlich eine Berufsvereinigung der Professional Organizer (Aufräumcoaches) gibt, war ich sofort Feuer und Flamme. Ich nahm am Kurs teil, wurde als Professional Organizer zertifiziert, und da bin ich nun! Bereit Euch zu helfen, den Raum in Eurer Wohnung, in Eurem Kopf, Kalender und Leben zu entrümpeln!

Wie kamst du zum Minimalismus?

Eines der ersten Bücher, das ich jemals übers Organisieren gelesen habe, war Marie Kondos „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“. Wir hatten kein Problem mit Gerümpel oder Unordnung. Dennoch war ich so fasziniert von ihren Ideen, dass ich die Methode auf unser gesamtes Haus anwandte. Es funktionierte prima, aber ich fand es schwierig, nur die Sachen zu behalten, die mir “Freude machten“ (spark joy im Englischen). Ich wühlte weiter, im Netz, in Büchern, bis mir aufging, dass ich kein ordentlicheres Haus wollte, sondern ein leereres – ein minimalistisches! Eine Weile danach stieß ich auf ein Zitat, dass zusammenfasst was ich wirklich wollte: “Habe nichts in Deinem Haus, von dem Du nicht weißt, dass es nützlich ist, oder das Du schön findest.“
Ich habe einfach gemerkt, wie gut es tut, wenn man sich aus dem Alltag, in dem man schon so viel im Kopf hat, zurückziehen kann. Am besten in ein ruhiges, Ruhe ausstrahlendes Zuhause, umgeben nur von den Dingen, die man liebt. Je weniger Dinge man hat, um umso weniger Dinge muss man sich auch kümmern, und um so mehr Zeit hat, sein Leben zu genießen. Um so nachhaltiger lebt man. Und die Nachhaltigkeit ist meiner Meinung nach ebenso wichtig wie die mentale Erleichterung, die der Minimalismus bringt.

Habe nichts in Deinem Haus, von dem Du nicht weißt, dass es nützlich ist, oder das Du schön findest.

William Morris, britischer Maler, Designer und Schriftsteller, 1834 – 1896

Wie sieht deine Interpretation von Minimalismus aus?

Man könnte mich eine Minimalistin nennen, aber ich selbst sehe mich mehr als “Genugistin”. Ich möchte keine unnötigen Dinge oder Krempel in meinem Haus und Leben haben. Umjeden einzelnen Gegenstand muss man sich kümmern. Aus meiner Sicht ist „Genugismus“ eine spezielle Form des Minimalismus, bei der man nicht alles um jeden Preis auf einabsolutes Minimum reduziert. Vielmehr konzentriert man sich auf die Dinge, die das Leben, dass man führen möchte, ermöglichen und bereichern. Alle Dinge, die dieses Leben nicht fördern oder ihm gar im Leben entgegen stehen, reduziert man. Man ist genügsam, man hat genug von allem, aber nicht zu viel. Und das ist für jeden individuell. Ganz ausführlich schreibe ich darüber in meinem Blog.

Aus meiner Sicht ist „Genugismus“ eine spezielle Form des Minimalismus, bei der man nicht alles um jeden Preis auf einabsolutes Minimum reduziert.

Warum ist es für viele Menschen leicht "Zeug" anzusammeln, aber schwer sich davon wieder zu trennen?

Es ist heutzutage so schwer, die Dinge davon abzuhalten, dass sie sich ansammeln. Man ist daran gewöhnt, alles artig dankend anzunehmen: kostenlose Give-Aways, Geschenke, kauf 3 zahl 2. Es gibt viele billige Deko-Artikel, die man impulsiv mitnimmt, weil sie ja nur einen Euro kosten und so gut zu Hause reinpassen. Manche belohnen sich mit Shopping, oder haben ihren persönlichen Stil noch nicht gefunden und kaufen deswegen immer mehr Klamotten. Der große Trennungsschmerz kann viele Ursachen haben: Das war doch so teuer, vielleicht passt es irgendwann wieder, das habe ich aber von Tante Frieda bekommen, wer weiß, wann ich das nochmal brauchen kann. Im Grunde sind alle diese Dinge aufgeschobene Entscheidungen. Als Professional Organizer und Aufräumcoach ist es meine Aufgabe, diese Blockaden zu lösen. Ich helfe meinen Klienten, einen anderen Blickwinkel einzunehmen, Entscheidungen zu treffen und das große Ziel im Auge zu behalten: Raum und Platz in Deiner Wohnung, Deinem Kopf, Deinem Kalender, Deinem Leben. Raum und Zeit, um die schönen Seiten des Lebens zu genießen.

Im Grunde sind alle diese Dinge aufgeschobene Entscheidungen.

Welche drei Tipps würdest du einem Besitzer eines vermüllten Dachbodens, Keller oder Kleiderschranks geben?

Wenn jemand ein solches Projekt ernsthaft angehen möchte (das ist natürlich die Voraussetzung)

  1. Werde Dir über den Grund, Dein Warum klar. Warum möchtest Du einen aufgeräumten Keller haben: Vielleicht, damit Du ihn als Partykeller, Hobbyraum oder „Mancave“ benutzen kannst? Der Dachboden soll ein Toberaum für die Kinder werden? Du möchtest endlich vor dem Kleiderschrank stehen und nur Klamotten sehen, die Dir stehen, passen und Deine beste Seite hervorheben? Schreibe Dir Dein Ziel auf.
  2. Visualisiere Dein Ziel. Manche machen das mit wirklichen Bildern, z.B. eine Pinnwand bei Pinterest, andere drucken sich Bilder aus oder speichern sie im Kopf. Wie soll Dein Keller, Dachboden oder Dein Kleiderschrank und somit auch Dein neuer Stil aussehen? Was ist Dein Traum?
  3. Geh den ersten kleinen Schritt. Und dann den nächsten. Verfalle nicht in Perfektionismus – das schaffe ich nie, dann fange ich lieber gar nicht an. Behalte das große Ziel im Hinterkopf, aber schau nur auf den nächsten Schritt ganz genau. Plane, je nachdem welcher Typ Du bist, längere Sessions von 2-3 Stunden ein oder nimm Dir vor, z.B. jeden Tag nach dem Abendessen 15 Minuten daran zu arbeiten. Trag Dir Deine Termine in den Kalender ein und nimm sie ernst. Such Dir einen Partner, der entweder mit anfasst oder nur dranbleibt und „kontrolliert“, ob Du weiterkommst. Wenn Du schwächelst, denke an Dein Warum.
  4. Und wenn Du allein gar nicht weiterkommst, lass Dir helfen. Ich bin auch via Skype gern an Deiner Seite!

Denk an dein Warum!

Wohin willst du und was ist dein Ziel?

Privat habe ich alles, was ich mir nur wünschen kann. Einen liebenswerten Mann, zwei freche pfiffige Jungs, einen lieben Hund und einen faulen Kater. Wir wohnen minimal, klein und gemütlich im Grünen direkt am Wald. Das soll so bleiben!

In meinem beruflichen Leben dreht sich, Du ahnst es schon, alles um Space, also Raum. Ich möchte vielen Bloglesern und Klienten dabei helfen, Raum und Platz in ihrer Wohnung, ihrem Kopf, ihrem Kalender, ihrem Leben zu schaffen. Raum und Zeit, um die schönen Seiten des Lebens zu genießen. Marie Kondo möchte die Welt organisieren. Ich möchte Deutschland die schönen Seiten des Minimalismus nahebringen!

Liebe Susanne, vielen Dank für das Interview und deine Zeit. Ich fand den Einblick in dein Leben, sowie deine Profession sehr interessant und bin überzeugt davon, dass du damit viele Menschen erreichen wirst!